Datenschutz-Folgenabschaetzung - wann und wie
Eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DPIA — Data Protection Impact Assessment) klingt nach Behörden-Bürokratie. Für Entwickler ist sie ein strukturierter Prozess um Datenschutzrisiken frühzeitig zu identifizieren.
Wann eine DPIA Pflicht ist
Art. 35 DSGVO: wenn eine Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen mit sich bringt.
- Indikatoren die auf eine DPIA hindeuten:
- Systematische und umfangreiche Verarbeitung besonderer Kategorien (Gesundheit, politische Meinung, biometrische Daten)
- Systematische Überwachung öffentlich zugänglicher Bereiche (Videoüberwachung)
- Automatisierte Entscheidungsfindung mit erheblichen Auswirkungen
- Neue Technologien in großem Maßstab
Für eine normale Webanwendung mit Login und Bestellhistorie: typischerweise keine DPIA nötig.
Für eine App die Standortdaten trackt oder Kreditwürdigkeit bewertet: ja.
Der Prozess
1. Verarbeitungsvorgang beschreiben
Was wird verarbeitet, von wem, zu welchem Zweck?
System: Personalverwaltung Daten: Name, Adresse, Gehalt, Krankenstandszeiten Zweck: Gehaltsabrechnung, Arbeitszeiterfassung Empfänger: Steuerberater, Krankenkasse Speicherdauer: 10 Jahre (gesetzliche Aufbewahrungspflicht)
2. Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit prüfen
Werden wirklich alle erhobenen Daten gebraucht?
Gibt es weniger eingriffsintensive Alternativen?
3. Risiken identifizieren
Was kann schiefgehen?
| Risiko | Eintritt | Schaden | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Datenbankzugriff durch Angreifer | mittel | hoch | hoch |
| Versehentliche Weitergabe | niedrig | mittel | niedrig |
| Datenverlust ohne Backup | niedrig | hoch | mittel |
4. Maßnahmen definieren
Für jedes identifizierte Risiko: konkrete technische oder organisatorische Maßnahme.
Risiko: Datenbankzugriff durch Angreifer Maßnahme 1: Verschlüsselung sensitiver Felder at rest Maßnahme 2: Datenbankzugriff nur über VPN Maßnahme 3: Separate DB-User mit Minimal-Rechten Restrisiko nach Maßnahmen: niedrig
5. Ergebnis dokumentieren
Die DPIA selbst ist ein Dokument das aufbewahrt wird. Bei Beschwerden oder Audits zeigt es dass man das Risiko systematisch bewertet hat.
Praktischer Wert für Entwickler
Auch ohne Pflicht zur formalen DPIA ist der Gedankenprozess nützlich: Welche Daten erhebe ich, wozu, was kann schiefgehen? Wer das vor dem Bauen durchdenkt baut datenschutzfreundlicher als wer es nach der Fertigstellung nachträglich aufdrückt.